Freitag, 20 Februar 2026 14:07

Bilk im Wandel

10 Jahre Wehrhahnlinie 

In den frühen Anfängen Düsseldorfs war Bilk noch ein eigenständiges Dorf, älter als die spätere Stadt am Rhein, die damals kaum mehr war als eine kleine Siedlung mit einer Burg, aber ohne eigene Kirche.
Wer in Düsseldorf lebte und den Gottesdienst besuchen wollte, musste den Weg hinüber ins Dörfchen Bilk antreten.
Ein beschwerlicher Marsch durch den berüchtigten Bilker Busch, dort, wo sich heute Bilker Allee und Friedrichstraße kreuzen, ein Ort, an dem Wegelagerer Reisende überfielen, lange bevor der Kirchturm von Alt St. Martin in Sicht kam.

Mit den Jahrhunderten wuchs Düsseldorf, Bilk rückte näher an die Stadt heran, blieb aber lange ein Ort mit eigenem Charakter, geprägt von Handwerk, Landwirtschaft und dem Rhythmus des Alltags.
Als die Industrialisierung kam, entstand hier der große Güterbahnhof, ein geschäftiger Umschlagplatz, an dem Pferdebahnen, Kutschen und später Industriewagen kreuzten.
Es roch nach Holz, Kohle, Fisch und Maschinenöl, Händler und Werkstätten prägten das Bild, und die Pferdetränke, bis heute von den Bilker Schützen gepflegt, erinnert an diese Zeit, in der Mobilität noch auf Hufen stand.

Doch mit dem Strukturwandel verlor das Gelände seine Bedeutung, die Stadt verkaufte es Anfang der 2000er Jahre, und plötzlich stand Bilk vor einer neuen Weggabelung.
Die Pläne für ein großes Einkaufszentrum – die späteren Düsseldorf Arcaden – lösten heftige Proteste aus, denn viele Bilker fürchteten den Verlust ihres gewachsenen Viertelcharakters, ihrer Werkstätten, ihrer kleinen Händler, ihres vertrauten Alltags.
Trotzdem wurde gebaut, und mit der Eröffnung der Arcaden begann ein neues Kapitel, das den Stadtteil stärker in die urbane Moderne zog.

Kaum war der Staub verflogen, folgte der nächste große Eingriff: der Bau der Wehrhahnlinie, eines der größten Infrastrukturprojekte der Stadt, dessen Planung bereits 1997 begann und dessen Bau rund acht Jahre dauerte.
2016 wurde die Linie eröffnet, und seitdem haben rund 250 Millionen Fahrgäste den 3,4 Kilometer langen Tunnel genutzt, der Bilk und Wehrhahn unter der Innenstadt verbindet.
Sechs neue, künstlerisch gestaltete Bahnhöfe wurden geschaffen, und am Eröffnungstag strömten rund 100.000 Menschen durch die Stationen, um das Ergebnis eines Projekts zu sehen, das insgesamt rund 900 Millionen Euro kostete

Die Vorteile sind spürbar: weniger oberirdischer Verkehr, schnellere Verbindungen, ein leistungsfähiges Netz, das Bilk heute zu einem der wichtigsten Mobilitätsknotenpunkte der Stadt macht.
Doch der Wandel brachte auch Bedenken mit sich – die Sorge, dass Bilk seine Ecken und Kanten verliert, dass aus dem alten Arbeiterkiez ein glatter, durchkommerzialiserter Stadtteil wird.
Und doch zeigt sich heute, zehn Jahre nach der Eröffnung der U‑Bahn, dass Bilk gelernt hat, diesen Wandel zu tragen: Der Stadtteil ist dichter, schneller, urbaner geworden, aber er hat seine Geschichte nicht abgelegt.
Bilk ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft ineinanderfließen – und genau darin liegt seine besondere Kraft.

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Letzte Änderung am Freitag, 20 Februar 2026 17:27