Sonntag, 30 August 2020 20:38

"Platz des Lebens" ?

Diskussionen um die Verkehrsführung auf der Bilker Allee gibt es bereits lange.

Bereits beschlossen ist ein geändertes Tempolimit, welches demnächst (erst einmal versuchsweise) eingeführt wird.  Das Gelände rund um die Bilker Kirche, auch als Unfallschwerpunkt bekannt, ist ebenfalls lange in der Diskussion.

Dazu gehört auch die Lorettostraße, früher eine Durchgangsstraße mit Straßenbahn in die Innenstadt, inzwischen ebenfalls verkehrsberuhigt.

Am letzten August Wochenende 2020 wurde ein Versuch gestartet und der Abzweig von der Bilker Allee in die Lorettostraße gesperrt. Stadt regem Autoverkehr tummelten sich hier Kinder, Familien und Tanzgruppen, um einmal zu testen, wie dieses Gebiet mit anderer Nutzung zeitgemäßer und ansprechender gestaltet werden könnte.

Ein berechtigtes Anliegen vieler Bilker, der Rat der Stadt hatte für Planungsprozesse bereits eine größere Summe zur Verfügung gestellt. Nennenswerte Ergebnisse gab es bisher allerdings nicht. Nun dieser Versuch, der auf dem „Platz des Lebens“ wie er nach Vorschlag der Veranstalter benannt werden könnte für wirkliches Leben sorgte. Ansprechend, was hier für Groß und Klein geboten wurde, doch wird solch ein Programm zur ständigen Einrichtung werden können?  

Die Meinungen waren kontrovers und das ist nicht verwunderlich. Bilk gehört zu den dicht bewohntesten Stadtteilen der Landeshauptstadt, entsprechend gibt es eine massive Parkplatznot. Durch solch eine Umgestaltung würden zahlreiche Parkplätze entfallen. Überlegungen gab es auch um unerwünschte Zeitgenossen, die sich hier einfinden könnten.

Manche Gespräche beschäftigten sich auch mit dem Hauptinitiator dieser Pläne, der Werbegemeinschaft Lorettostraße. Auch wenn es hier gelungen ist viele Interessenten mit ins Boot zu holen, so bleiben dennoch Fragen. Die alteingesessenen Bilker haben noch die unschöne „Übernahme“ der vorherigen Werbegemeinschaft „Loretto 360°“ im Kopf, bei welcher die damalige Initiatorin Christina Dehn recht unfair ihren Rauswurf erleben musste.

Das damalige Ziel der dann neu gegründeten Gemeinschaft lautete: größere Events trotz Kosteneinsparung, mehr Aufmerksamkeit für die Lo, bis hin zur angedachten Sperrung der Lorettostraße und Party auf der Straße. Nun wissen wir alle, dass dieses derzeit nicht realisierbar ist. Solch ein „Platz des Lebens“ würde neue Möglichkeiten schaffen und der Werbegemeinschaft auch wirtschaftlich zuträglich sein.

Persönlich glaube ich nicht, dass hier wirkliches uneigennütziges Interesse für den Stadtteil im Vordergrund steht. Selbst habe ich (leider) erleben müssen, dass an einem Miteinander keinerlei Interesse bestand. Als Pressesprecher der Bilker Schützen habe ich unhöfliche Rauswürfe aus den Geschäften in Erinnerung, als es darum ging, das kostenlose Programm zum Bilker Schützenfest dort auszulegen. Vorschläge oder auch Bitten der Bilker Schützen diesen Platz oder Zusammenarbeit betreffend, wurden ignoriert oder abgelehnt.  Auch eine Vereinigung von Bilker Allee und Lorettostraße (in einer Werbegemeinschaft) war derzeit nicht gewünscht.

Das frühere Verhalten und das Wissen um die Entstehung dieser Werbegemeinschaft macht skeptisch, was aber nicht heißen muss, dass hier nicht ein Sinnessinneswandel eingetreten sein kann.

Warten wir es ab.