Dienstag, 09 Juni 2020 16:21

Black Lifes Matter

Ein Videobericht zum Protestmarsch in Düsseldorf

Proteste weltweit nach dem Tod von George Floyd, ums Leben gekommen durch die Schikane der Polizei am 25. Mai 2020 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. Auch in Düsseldorf gingen die Menschen auf die Straße. Persönlich lebe ich in der Nähe des Landtags, war zur Berichterstattung kurz am Rand dabei und erlebte eine der größten Demonstrationen der letzten Jahrzehnte.

Die Meldungen bestätigten über 20.000 Teilnehmer, das trotz Corona Kontaktregeln und Abstandsgebot. Natürlich wurde Kritik laut, insbesondere da vorwiegend Bilder mit Menschen dicht an dicht veröffentlicht wurden. Der Fairness halber muss erwähnt werden, die Veranstalter haben ihr Möglichstes getan um den behördlichen Vorgaben nachzukommen. Mit 2.000 Teilnehmern wurde ursprünglich gerechnet, schließlich wurden es mehr als 10Mal so viel.

Während des Marsches durch die Innenstadt waren die Abstände weitgehend unbedenklich. Am Ende des Protestmarsches wurden die Teilnehmer von Organisationshelfern  in Zehnergruppen aufgeteilt und auf dem Gelände verteilt. Gut 70-80 % trugen ohnehin Masken. Eng wurde es, als das Gelände vom Stadttor bis hin zum Apollotheater gefüllt war und immer noch Menschen aus Richtung Innenstadt hinzu strömten. Mit solchen Teilnehmerzahlen hatte wohl niemand gerechnet. Besonnener Weise machten sich dann aber viele, welche diese Problematik erkannten, direkt auf den Heimweg und verließen das Gelände um gleichzeitig wieder Platz zu schaffen.

Den Coronaregeln entsprach das nicht, die Polizei ließ die Teilnehmer gewähren. Auch die Ordnungshüter waren von der hohen Teilnehmerzahl überrascht, mussten Einsatzkräfte nachordern.

Nebenbei bemerkt:
In mir kamen Erinnerungen hoch, Erinnerungen an die Studentenrevolten der 68er.
Auch 1968 war der Protest international:  Holland, Japan Italien Großbritannien Frankreich, letztlich im gleichen Jahr dann auch der Prager Frühling und der Protest gegen den Vietnamkrieg. Alles begann aber mit einer Bürgerrechtsbewegung der Afro Amerikaner, die 1963 mit Martin Luther King und dem legendären Marsch auf Washington begonnen hatte. 250.000 Teilnehmer waren es am Anfang…

Es war Unzufriedenheit mit bestehenden Verhältnissen, auch in Deutschland, die sich entluden. Ausgelöst durch den Umgang mit Andersfarbigen und Andersdenkenden in den USA. Ein Zündfunke der die aufgestaute Unzufriedenheit zur Explosion brachte. 1968, eine ebenfalls eher unruhige Zeit die vom Vietnamkrieg, der außerparlamentarischen Opposition und Verschwörungstheorien um die Notstandsgesetze geprägt war.

„Hinweg mit den Talaren und den Muff von 1000 Jahren!“ so skandierten zigtausende 1968 in den Straßen unserer Großstädte. Gemeint war damit ein damals autoritäres System, das Ausnutzen der Macht von Vorgesetzten, Lehrern, Chefs. Die körperliche Züchtigung war noch Alltag, in Familien wie aber auch in Schulen. Ohrfeigen vom Chef, Demütigungen, Doppelmoral all das prägte den Alltag dieser Zeit.

Frauen gehörten an den Herd, mussten um beruflich tätig werden zu dürfen oder größere Einkäufe zu tätigen, die schriftliche Einwilligung des Ehemannes.

Hinzukam eine völlig antiquittierte Sexualmoral, die durch die gerade erfundene Antibabypille Gegenwind bekam. Es galt noch der Kuppeleiparagraph, (wer Unverheiratete gemeinsam bei sich übernachten ließ, ging ins Gefängnis) gleichgeschlechtliche Beziehungen standen unter Strafe, Kinder lernten dass es Sünde ist sich im Genitalbereich zu berühren und das Selbstbefriedigung massive körperliche Schäden im Alter hervorruft.

Es war ein Paradigmenwechsel, auch hervorgerufen durch die Erfindung der Antibabypille, durch Aufklärung (Oswalt Kolle) verbunden mit drastischen Veränderungen in der Mode (Minirock) der Musik (Beatles) und dem Selbstgefühl (lange Haare und Hippie Mania) Jugendliche verloren ihren Arbeitsplatz, Eltern die sich umbringen wollten, weil die Jugend plötzlich lange Haare trug.

Nein, es ging damals nicht nur um Rassismus, um Vietnamkrieg, es ging auch um die Freiheit der eigenen Persönlichkeit, die bis dahin der Autorität untergeordnet war.

Vieles wurde in dieser Zeit über Bord geworfen, Gebote, Verbote wurden abgebaut. Diese unglaubliche Freiheit, welche die heutige Jugend in nahezu allen Bereichen hat, wurde damals erkämpft.

Und heute?
Alles entwickelt sich schneller, das Internet macht es möglich und spendiert zudem einen unbegrenzten Wissenspool.

Vieles was die Achtundsechziger mit guter Absicht auf dem Weg gebracht haben ist inzwischen ausgeufert. Die sexuelle Freiheit gerät heute an ihre Grenze, wenn Pädophile unsere Kinder schänden. Die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und persönlichen Freiheit endet derzeit vielfach in Egomanie. Populismus, ganz besonders in den sozialen Netzwerken, ist ein Zeichen der Zeit, Geiz ist geil hat Kaufbedürfnisse aber nicht das Innere befriedigt. Wir haben Werte und Orientierung verloren, das immer weiter, höher mehr, ist kein Ziel.

Nicht zuletzt durch Corona beschleunigt sich der bereits begonnene nächste Paradigmenwechsel.
Zudem offenbart diese Pandemie schonungslos die Schwächen unseres Systems.
Genau wie in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts entzünden sich Funken an Ereignissen und lösen Flächenbrände aus.  

Dahinter steckt der Wille nach einem anderen Zusammenleben. Besonders die jungen Menschen verlieren ihre Vorurteile und forcieren ein neues Zusammenleben, wie sie es vielfach im Alltag schon Multi-Kulti praktizieren. Sie haben die Angst und die Vorurteile vor der Andersartigkeit der Anderen verloren. Dass WIR, mit Frieden, Respekt und Miteinander rückt immer weiter in den Vordergrund.

Am Ende wird es eine neue Werteskala geben.

Rene Krombholz

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