Montag, 09 Oktober 2017 16:39

Kostenfreie Kitas

neue Berechnungen zur Kostenersparnis für Eltern

 

Wahlversprechen zu Kosten und Qualität von Kitas

Welche Änderungen auf Eltern in Düsseldorf zukommen könnten

Bisher gehört die Festlegung der Kitagebühren in den Aufgabenbereich der kommunalen Selbstverwaltung. Wenn es nach den meisten Parteien geht, soll es jedoch bald bundesweit einheitliche Standards und Reformen bei der Organisation und Finanzierung von Kitas geben, die je nach Programm sogar zum Wegfall der Kitagebühren führen könnten. Betreut.de hat die Vorschläge der sechs großen Parteien zu Kindertageseinrichtungen verglichen und mögliche Kosteneinsparungen für Eltern ausgerechnet. 

Rund 81 Prozent der Eltern mit Kita-Kind bezahlen aktuell Gebühren. Fast alle Eltern (95 Prozent) wollen, dass sich der Bund stärker an der Finanzierung der Kinderbetreuung beteiligt, aber auch fast die Hälfte wäre bereit, für eine bessere Qualität selbst mehr zu zahlen; darunter auch 51 Prozent der Eltern, die bereits mit einer Beitragsfreiheit leben – so die Ergebnisse einer repräsentativen Elternumfrage der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2016*. 

Anlässlich der Bundestagswahl greifen die meisten Parteien den Wunsch nach bundesweit geltenden Standards auf, priorisieren dabei jedoch unterschiedliche Ansätze, die je nach Programm von einer Steigerung der Qualität, über den Ausbau der Betreuungsplätze bis zur finanziellen Entlastung der Eltern reichen können. Betreut.de hat verglichen, was für die sechs großen Parteien in ihren Wahlprogrammen zur Kindestagesbetreuung im Fokus steht, wie sie ihre Pläne umsetzen wollen und ob sie Veränderungen bei den Gebühren vorsehen. Sofern die Elternbeiträge gesenkt oder erlassen werden sollen, wurde berechnet, welches Einsparpotenzial für Familien möglich ist. Dabei wurde ein standardisiertes Beispiel mit einer Familie bestehend aus zwei Eltern und einem Kind für drei Einkommensklassen (gemessen am Landesmedian) bei einer Betreuungszeit von 40 Stunden pro Woche zugrunde gelegt.

Kosteneinsparungen für Familien in Düsseldorf

In Düsseldorf ist die Betreuung von Kindern im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt beitragsfrei. Für Kinder jüngeren Alters sind die Gebühren einkommensabhängig gestaffelt. Eine komplette Kostenbefreiung hätte für Familien mit höherem Einkommen die größte Entlastung zur Folge.

Die CDU/CSU konzentriert sich in ihrem Programm besonders auf Veränderungen für die Betreuung von Grundschulkindern. Die Regelung der Kitagebühren soll weiterhin den Ländern überlassen werden, sodass Kostenersparungen für Eltern von Kita-Kindern von der CDU/CSU erstmal nicht gefordert werden. Geplant sind jedoch Verbesserungen in der Qualität von Kitas, wobei einem ausreichend vorhandenen und gut ausgebildeten Personal eine Schlüsselrolle eingeräumt wird. 

Die SPD setzt stärker auf die finanzielle Entlastung der Eltern und fordert, die Betreuung in Kitas schrittweise gebührenfrei zu machen. Für Geringverdiener in Düsseldorf hätte dies bei vollständiger Kostenbefreiung ein Einsparpotenzial von 0,0 Prozent zur Folge, für Normalverdiener 2,5 Prozent und für Besserverdiener 3,6 Prozent. Außerdem will die SPD ein ausreichendes Angebot an Betreuungsplätzen sicherstellen, welches auch den Bedarf einer Nachmittagsbetreuung deckt, und mit einem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung verankern. Die Qualität soll besonders bei der Ernährung und dem Betreuungsschlüssel verbessert werden.

Die FDP verfolgt einen anderen Ansatz: Um die Leistungen transparenter zu machen, plant sie die schrittweise Umstellung der Finanzierung von Kitas, Kindergärten und Schulen auf Bildungsgutscheine, die vom Staat vergeben werden. Sie sollen Eltern die Möglichkeit einräumen, frei zwischen öffentlichen und freien Trägern zu wählen. Ob und inwiefern dieser Ansatz auch zu einer Kostensenkung für Familien führt, wird nicht klar definiert. Im Hinblick auf die Qualität sehen die Freien Demokraten eine anspruchsvollere Betreuung durch besser bezahltes und ausgebildetes Personal vor, sodass auch Sport- und Musikangebote sowie Ergotherapie in den Kita-Betrieb integriert werden können. 

„Die Linke“ fordert, bei einer Beitragsbefreiung auch die Verpflegungskosten einzuschließen. Den Berechnungen von Betreut.de zufolge ergeben sich daraus Einsparpotenziale für Geringverdiener in Höhe von 4,1 Prozent, für Normalverdiener 5 Prozent und für Besserverdiener 5,2 Prozent. Auch Die Linke erachtet einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in einer Kita sowie der Schaffung weiterer Betreuungsplätze als notwendig. Qualitativ halten sie Verbesserungen beim Betreuungsschlüssel, der Ernährung und den Betreuungszeiten für erforderlich.

Die AfD äußert sich in ihrem Wahlprogramm zwar nicht zu einer Reduzierung der Kita-Kosten, möchte aber die elterliche Betreuung im gleichen Umfang fördern wie Kitas und Tagesmütter. Ein genaues Konzept existiert noch nicht. 

Die Grünen verfolgen langfristig ebenfalls das Ziel einer Beitragsbefreiung für Kitas und Bildungseinrichtungen. Doch zuvor soll in den Ausbau und in die Verbesserung der Qualität der Einrichtungen investiert werden, die insbesondere höhere Personalstandards sowie eine gesündere Gemeinschaftsverpflegung einschließen. Ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kitas und Grundschulen liegt ebenfalls in ihrem Interesse.

Den ausführlichen Vergleich der Parteiprogramme mit den zu erwartenden Einsparpotenzialen für alle 16 Landeshauptstädte finden Sie hier.

Inwiefern erhöht eine Beitragsbefreiung die Qualität in Kitas?

Welches Parteiprogramm für Familien den größten Nutzen bringt, lässt sich nicht verallgemeinern, denn die Frage nach der passenden Kinderbetreuung ist eine ganz persönliche. Zu beachten ist, dass die aufgeführten Berechnungen nur eine Teilbetrachtung darstellen. Eine Kostensenkung in bestimmten Bereichen wirft immer auch die Frage der Gegenfinanzierung auf. Was das genau bedeutet und inwiefern damit den Ansprüchen an eine verbesserte Qualität gerecht werden kann, bleibt offen. 

Eine umfassende Darstellung zu den familienpolitischen Schwerpunkten der einzelnen Parteien finden Sie hier

Ein Experteninterview mit Sozialwissenschaftlerin Dagmar Müller vom DJI finden Sie hier.

Methode

Die Analyse vergleicht die Elternbeiträge in städtischen Tageseinrichtungen der 16 Landeshauptstädte für das Kind eines zusammenlebenden Elternpaares (ohne weitere Geschwister) für die gesamte Kita-Besuchszeit vom Beginn des 2. bis zum vollendeten 6. Lebensjahr, angefangen vom 01. September 2017. Berücksichtigt wurden sowohl die Betreuungs- als auch die Verpflegungskosten bei einem Betreuungsumfang von 40 Wochenstunden nach den Angaben der aktuellsten Satzungen. Dieses Szenario wurde für drei Einkommensklassen (gemessen am Landesmedian) angewandt. 

Gerne stellen wir Ihnen genauere Details zu den einzelnen Städten auf Anfrage zur Verfügung.

* Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/FactSheet_Elternbefragung_Final.pdf