Alte Werte, neue Verantwortung

Beim Krönungsball der 5. Schützen-Gesellschaft in Düsseldorf-Bilk wurde deutlich: Die jahrhundertealten Werte der Schützen sind keine Folklore. Sie können Antworten auf Fragen unserer Gegenwart geben.
Die Zeit der Schützenfeste mag vorbei sein. Doch wer glaubt, dass das Schützenwesen nun in den Winterschlaf fällt, irrt. Schützen sind das ganze Jahr über aktiv – nicht ausschließlich in Uniform, sondern im Alltag den sozialen Statuten folgend oder in Abendkleidung, wie am 3.10.2026 im Fuchs im Hoffmanns.
Der Krönungsball der 5. Schützengesellschaft in Düsseldorf‑Bilk war an diesem Tag mehr als ein festlicher Höhepunkt. Er wurde zu einem Moment, in dem Tradition, Gegenwart und Zukunft spürbar ineinandergriffen. Hauptmann Sebastian Krombholz stelle zu Beginn des Abends Gedanken vor, die weit über diesen Tag hinausreichen. Gedanken, die in den Statuten, des Schützenwesens verankert sind. Diese Statuten, sind amtlich dokumentiert, werden regelmäßig der Neuzeit angepasst und nach Zustimmung der Mitglieder rechtlich verankert. Ihre Inhalte ähneln sich europaweit: Schutz der Heimat, Schutz der Familien, soziales Handeln, Miteinander, Werte bewahren.
Genau an diese Ursprünge knüpft Sebastian Krombholz an – nicht aus Nostalgie, sondern weil diese Gedanken und Werte heute wieder dringend gebraucht werden.

Ein Blick zurück: Jean Hinkel und die Gesellschaft 5. Schützen
Um die Tiefe dieses Abends zu verstehen, lohnt ein Blick in die Geschichte der Bilker Schützen und der 5. Schützen-Gesellschaft:
Bäckermeister Jean Hinkel hatte 1891 seine erste Bäckerei auf der Grünstraße eröffnet und wurde 1901 – 1902 der erste Schützenkönig des St.-Sebastianus-Schützenvereins Düsseldorf‑Bilk im vergangenen Jahrhundert. Bereits 1902 übernahm er das Amt des Hauptmanns der fünften Schützen, deren Krönungsball am 3. Oktober 2026 hier in Bilk gefeiert wurde.
Später wurde er Chef der Bilker Schützen und 1935 aufgrund großer Verdienste zum Ehrenchef ernannt. In Schützenfamilien werden Denkweisen und Werte über Generationen weitergegeben – die Familie Hinkel zeigt dies eindrucksvoll. Sie ist der 5. Schützen-Gesellschaft bis heute eng verbunden – Josef Hinkel ist Protektor der Kompanie.
Bei seiner Ernennung zum Ehrenchef sagte Jean Hinkel im Jahr 1935:
„Die Generation der Fünften aus den 90er* Jahren ist von uns gegangen. Es sind andere Zeiten und andere Menschen, welche den Kreis der Fünften erfüllen. Der Geist der Kameradschaft aber ist der Gleiche geblieben und wird, wie wir hoffen, auch unverändert in der Zukunft bleiben.“
(* gemeint sind die Jahre 1890 bis 1899)
Am diesjährigen Krönungsball wurde sichtbar, wie sich diese weitergegebene Werteorientierung mit Gegenwart und Zukunft verbindet.

Sebastian Krombholz möchte mit seiner Gesellschaft ein Pokalschießen als neue Veranstaltung im Bilker Schützenkalender etablieren – ein Fest für Familien, Freunde, Gäste, Sponsoren und lokale Partner. Die Bilker Heimatfreunde haben bereits zugesagt, Kooperationspartner aus dem Stadtteil sollen eingebunden werden, ein Netzwerk soll entstehen. Die Entwürfe für einen Jean‑Hinkel‑Pokal sind bereits fertig.
Das Bild zeigt einen ersten Entwurf.
Es soll eine würdige Veranstaltung werden, in Gedenken an einen Mann, der den Bilker Schützen einst den heutigen Schützenplatz schenkte – ein Geschenk, für das man bis heute dankbar ist. Ein Gedanke, den auch der erste Chef der Bilker Schützen, Ulrich Müller, begrüßte und Unterstützung zusagte.
Warum diese Gedanken heute wichtiger sind als je zuvor
Das Schützenwesen entstand im Mittelalter aus dem Bedürfnis nach Schutz und Zusammenhalt. Bürgerwehren aus Handwerkern und Kaufleuten verteidigten ihre Heimat, halfen Menschen in Not und übernahmen Verantwortung für das Gemeinwesen.
Miteinander, Heimat und Handwerk – hier schließt sich der Kreis.
Heute steht das Schützenwesen nicht für Bürgerwehr, sondern für Verantwortung vor Ort. In einer Zeit von Anonymität und schwindenden lokalen Strukturen erinnert es daran: Heimat ist mehr als ein Ort. Heimat ist ein verantwortungsvolles Miteinander.
Dieses Vorhaben knüpft genau daran an – für mehr Gemeinschaft, Zusammenhalt und gelebte Verantwortung.